Litfaßsäule

Im Winterhalbjahr 1946/47 fand im ehemaligen Saal des Hotel Bracht eine Tanzschule für Fortgeschrittene statt. Dort traf man sich, um die abgebrochenen Tanzerfahrungen, bedingt durch den Krieg, weiter zu entwickeln. Kriegsgefangenschafts- und auch Sporterlebnisse wurden erzählt. Dabei stellte sich heraus, dass einige Teilnehmer dieses Kurses in der Gefangenschaft den Handballsport wieder entdeckt hatten. Eine Sportart, die in Freienohl schon in den 20er Jahren (TV 1888) betrieben wurde. Mit Freude und Begeisterung waren bald elf Spieler, die beim Feldhandball eine Mannschaft bildeten, bei der Sache. Es wurde auf dem alten Sportplatz, vor der ehemaligen Schützenhalle im Langel, fast täglich trainiert. Spielgerät war ein Gummiball, da ein kostbarer Lederball in dieser Zeit zunächst nicht aufzutreiben war.

Das Sportzeug bestand aus alten Straßenschuhen, Turnhose und Unterhemd. Bei den Bauern wurde Schafswolle gesammelt. Diese Wolle wurde in einer Freienohler Strickerei gegen eine Garnitur Trikots und Stutzen eingetauscht. Die Farbauswahl wurde durch die Möglichkeiten der Strickerei bestimmt, so dass die Farben, graues Trikot mit grünem Kragen (Wolle aus alten Wehrmachtspullovern), zwangsweise vorgegeben waren.

Zu dieser Farbkombination trug die Mannschaft weiße Turnhosen. Turnschuhe besorgte sich jeder Spieler, teilweise mit großen Schwierigkeiten verbunden, selbst. August Schwefer fertigte handgenäht den ersten Lederhandball. Dieser Ball nahm durch den täglichen Trainingsbetrieb immer mehr die Form eines Rugbyballes an. Deshalb setzte sich ein handballbegeisterter Freienohler in den Zug nach Oberhausen und tauschte gegen zwei Sauerländer Schinken drei Handbälle ein. Die Freude war riesig, als die Bälle der Mannschaft präsentiert wurden.

Erster Spielgegner war der Nachbarverein TuS Oeventrop. Die Spieler des TuS Oeventrop erteilten den Turanern mit 4:16 Toren eine „Lehrstunde". Dieser Dämpfer tat der Begeisterung für das Handballspielen aber keinen Abbruch. Die Mannschaft trainierte noch intensiver. Kondition, taktisches Verhalten und Spielzüge standen vermehrt auf dem Trainingsprogramm. In der Saison 1947/48 meldete die Abteilung eine Mannschaft zu den Meisterschaftsspielen. Das Nenngeld von 40,- RM bezahlten die Spieler aus eigener Tasche. Zur Überraschung aller hieß am Ende der Spielzeit der neue Kreismeister TuRa Freienohl.

Der damalige Kreisfachwart Schmidt überreichte der Mannschaft den Pokal mit den Worten: "Elf Freunde müsst ihr sein, wollt ihr siegen!" Als Kreismeister spielte die Mannschaft nun gegen die Vertretungen aus Evingsen, Menden und Iserlohn um den Aufstieg in die Bezirksklasse. Die „grauen Wölfe" aus Freienohl (wegen der grauen Trikots) gaben in diesen Spielen nur einen Punkt ab. Ungeschlagen war der Aufstieg in die Bezirksklasse geschafft.

Bei jedem Heimspiel säumten viele Zuschauer den Spielfeldrand. Die Fans begleiteten die Mannschaft zu den Auswärtsspielen auf offenen LKW's. In der meisterschaftsfreien Zeit gastierten sehr gern Oberligavereine (damals die höchste Spielklasse) in Freienohl. Fichte Hagen, Rot-Weiß Oberhausen, Polizei Münster und Polizei Recklinghausen seien hier genannt. Aufgrund dieser Erfolge war der Zulauf in der Handballabteilung enorm. Eine Reservemannschaft und eine Damen­mannschaft konnten gemeldet werden.

Die erste Herrenmannschaft etablierte sich im ersten Spieljahr gleich mit einem dritten Tabellenplatz. Weite Fahrten zu den Auswärtsspielen und die Währungsreform brachten die Abteilung jedoch in finanzielle Schwierigkeiten. So kam es, dass Spieler aus finanziellen Gründen nicht mehr mitmachen konnten. In ihrer Begeisterung über die Erfolge hatte die Abteilung aber leider die Jugendarbeit vernachlässigt. Die so erfolgreiche Herrenmannschaft brach auseinander. 1953 versuchten abermals einige Sportkameraden, der Handballabteilung neuen Schwung zu verleihen.

Nach intensiver Trainingsarbeit konnte eine Jugendmannschaft zu den Meisterschaftsspielen gemeldet werden. Kurzfristige Erfolge blieben zunächst aus. 1955 nahm diese Mannschaft als Kreismeister in Gevelsberg an den Südwestfalenmeisterschaften teil. Kurze Zeit nach diesem sportlichen Höhepunkt schlug auch der zweite Versuch, eine Handballmannschaft über längere Zeit in Freienohl aufzubauen, fehl.

Eine erneute Belebung erfuhr der Handballsport in den Jahren 1958 bis 1960. TuRaFreienohl wurde nochmal mit der ersten Herrenmannschaft Kreismeister im Feldhandball. Dennoch scheiterte auch dieser dritte Aufbauversuch.

Am 27. Juni 1965 konnte Abteilungsleiter Ludwig Böhner bekanntgeben, daß die Handballer den Spielbetrieb wieder mit zwei Senioren- und einer Jugendmannschaft aufgenommen haben. Insgesamt hatte die Abteilung nun wieder 55 aktive Spieler. Zum neuen Abteilungsvorstand unter Ludwig Böhner gehörten die  Sportka­meraden Heiner Ohlmeyer, Kurt Fornahl, Friedel Geissler, Herbert Heckmann, Raimund Kraas und Lorenz Stirnberg (jun.) der Handballabteilung an.

Schon 1966 wurde die Handballabteilung mit 78 Mitgliedern zweitstärkste Abteilung im Gesamtverein. Der Abteilungsvorstand konnte erheblich erweitert werden. Siegried Hennig, Otto Kipar, Klaus Fibelkorn, Raimund Altenwerth, Dirk Bosgraaf und Gerd Demmel unterstützten die Abteilung besonders im Jugendbereich.

1967 erringt die 1. Herrenmannschaft die Kreismeisterschaft im Hallenhandball. Zwei Senioren-, zwei Schülermann­schaften und eine Jugendmannschaft beteiligten sich an den Meisterschafts­spielen. Unzureichende Trainingsmöglichkeiten behinderten allerdings sehr stark diesen erneuten Aufschwung. Trotz dieser widrigen Umstände erreichte die 1. Herrenmannschaft 1969 noch einmal die Kreismeisterschaft im Feldhandball.

1970 wird Herbert Geissler Abtei­lungsleiter. Den weiteren Vorstand bilden Raimund Kraas, Otto Kipar, Ulrich Blum und Lorenz Stirnberg (jun). Die Jugendarbeit wird intensiviert. Erst­mals wird ein Trainer verpflichtet. Aber auch Kameradschaft und Geselligkeit kommen zu ihrem Recht. 1971 unternimmt die Abteilung eine Fahrt nach Paris.

1973 sahen sich die Vereine TuS Oeventrop und TuRa Freienohl nicht mehr in der Lage, in beiden Ruhrdörfern separat attraktiven Handballsport anbieten zu können.

Aus Zwei mach Eins: Am 13. August 1973 gründen die Handball­abteilungen des TuS Oeventrop und des TuRa Freienohl die Spielgemeinschaft Ruhrtal. Die SG Ruhrtal ist heute die zweitälteste Handball-Spielgemeinschaft Südwestfalens.

Wie es zur Gründung der SG Ruhrtal kam, können Sie unter www.sg-ruhrtal.com weiterlesen. 

Die SG Ruhrtal - Höhen aber auch Tiefen seit 1973 finden Sie hier.

 

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